interreligiös

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Die Stadtverordneten von Dietzenbach haben beschlossen, dass in den örtlichen Kindertagesstätten die Verkehrssprache Deutsch zu sein hat. Außerdem wird in jeder Einrichtung ein Bildnis des Bundespräsidenten aufgehängt. Jeden Morgen wird die deutsche Fahne gehisst und dazu die Nationalhymne gesungen. Sinn dieses Beschlusses ist es, Kinder möglichst früh in die deutsche Kultur zu integrieren. Auch einer Überfremdung des Deutschtums durch die vielen Menschen, die aus allen möglichen Ländern zu uns strömen, soll damit gewehrt werden.

 Gegen diese Absichten kann man nichts sagen, im Gegenteil. Wir sind und bleiben Deutschland. Die deutsche Sprache ist ein wichtiges Kulturgut und Voraussetzung für ein Leben in unserem Land. Das ist einfach so, auch wenn die Einwanderungsgesetze nichts taugen und deshalb die Integration von Fremden schwierig wird.

 Ob die verordneten Mittel allerdings sinnvoll sind, darf man anfragen. Ist die deutsche Identität wirklich so schwer gefährdet, wenn sich Dreijährige im Sandkasten in ihrer Muttersprache unterhalten, falls sie sich überhaupt schon unterhalten können? Und wie ernst ist das mit dem Schutz der deutschen Sprache tatsächlich gemeint? Meines Wissens dürfen in Dietzenbach weiterhin Begriffe wie Sales, Back-Factory, Happy Hour, Service-Point, Catering, Discounter, Flatrate, Handout, Callcenter, Outsourcing, Stalking, Womanizer und ähnliche Amerikanismen ausgesprochen werden – auch von türkischen Kindern. Und nicht nur das; man darf sie auch auf Plakate schreiben und öffentlich aushängen? Ist das Bild des Bundespräsidenten (ein Wort, das selbst deutsche Kinder nicht einmal aussprechen können) wirklich so identitätsstiftend?
Allerdings wissen selbst die Kindergartenkinder mittlerweile, dass die schwarz-rot-goldene Fahre für Miroslav Klose und die übrigen Fußballhelden steht.

 Das Bistum Mainz hat in Dietzenbach auch eine Kindertagesstätte. Denkt man die Gedanken der Stadtverordneten konsequent weiter, kommt man zu folgendem Ergebnis:

 In dieser Kindertagesstätte wird ein Bild des Papstes und des Bischofs aufgehängt. Die Kardinalsrobe macht sich ohnehin besser als der langweilige Anzug des Bundespräsidenten. Beim morgendlichen Fahnenappell wird auch die Vatikanflagge aufgezogen (bitte ein Stückchen höher als die deutsche) und es wird dazu „Großer Gott wir loben dich“ gesungen. Und wenn alles so einfach ist, wie die Stadtverordneten glauben, dann werden sich bald die 21 muslimischen Kinder dieser Einrichtung zur Taufe drängen.