Friedhofsposse

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Sie meinen, Sterben sei eine schlimme Sache? Und der Friedhof ein Ort der Trauer und die Erinnerung?

Da kenne Sie aber die Mainzer schlecht -  insbesondere die Friedhofsverwaltung. In Mainz macht man selbst aus dem Traurigsten des Traurigen noch eine Posse, und das lange, ehe die Fasenacht richtig begonnen hatte.

Man muss wissen, in Mainz ist das Verbrennen lieber Angehöriger, (sofern sie verstorben sind,) schweineteuer. Und ein ganzer Aktenordner von Bürokratie gehört auch dazu. Deshalb lässt man gerne auswärts verbrennen.

Nach vollbrachtem Werk kommt die Urne, beinhaltend die Asche des Abgelebten nach Mainz zurück und harrt des Begräbnisses. Was tun?

Es gibt da ein Bestattungsinstitut, bei dem die Trauernden mit ihren Bedürfnissen im Vordergrund stehen. Die haben einen gemütlich eingerichteten Raum, da kann man die Urne aufstellen. Die Angehörigen können sich um sie herum versammeln, sich erinnern, ihrer Trauer Ausdruck geben, kurz: in Ruhe abschied nehmen - solange sie wollen und brauchen.

Es gibt da aber auch die Friedhofsverwaltung, die die Urne unter ihre Amtsgewalt bringen wollen. Ein Leichnam kann in den Räumen des Bestattungsinstitutes so lange liegen, wie er will. Eine Urne gehört auf den Friedhof. Dort wird sie sicher aufbewahrt, denn die Räume der Friedhofsverwaltung sind funktional, kühl und effektiv. Schließlich ist man auf Bestattungen spezialisiert, im Halb-Stunden-Takt.
Und überhaupt, von Asche braucht man sich schließlich nicht zu verabschieden.

Die Sache kam vor Gericht - Verwaltungen haben Zeit, Geld und juristisches Know How. Doch das Gericht entschied  für die Menschen und für eine sinnvolle Lösung. Abschiednehmen ist in Zukunft gestattet. Die Friedhofsverwaltung bekommt die Urne noch früh genug in ihre amtliche Erde.
So weit der Posse erster Teil.

Was macht eine Verwaltung, die dermaßen gedemütigt wurde? Sie muss sich rächen; rächen an denen, die sie erreichen kann: an ihren Kunden. Nun sind die ja unter der Erde, aber es bleiben noch die Angehörigen, die ihre Gräber pflegen. Und da sind schnell die Friedhofsschänder ausgemacht. Es gibt da eine Ecke auf dem Friedhof - eigentlich ist es eine Schande, dass da jemand begraben wird, denn das Gelände ist matschig und man muss zum bisweilen zu den Grabstätten rutschen. Die Angehörigen haben Abhilfe geschaffen und die Glitschwege mit Kies bestreut, schönem weißen Kies, nett an zu sehen, und das vor 20 Jahren.

Im Nu - nach 20 Jahren - hat die Friedhofsverwaltung diese Sünder ausgemacht. Man kann doch nicht eigenmächtig Wege gestalten wo die Verwaltung nichts tut. Der Friedhof muss einheitlich aussehen (schließlich sind die Verstorbenen ja auch einheitlich tot). Auf unserm Friedhof darf nur brauner Kies zur Wegbestreuung verwendet werden. Der anstößige weiße Kies muss weg, auch nach 20 Jahren, und neuer brauner Kies muss her (bei der Friedhofsverwaltung zu bekommen). Ordnungsgelder drohen für die Friedhofsschänder.

Mal gespannt, ob auch dieser zweite Teil der Posse vor Gericht landet, es käme auch gerade richtig zur Fasenachtszeit.


Dies ist keine erfundene Geschichte, sondern Mainzer Realsatire. Die Fakten sind in den Mainzer  Zeitungen im Jahr 2002 nach zu lesen. .

(c) Matthias Kleis 2003