Musikterror

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Musik wird störend oft empfunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden, so bringt es vor über 100 Jahren der Dichter auf den Punkt. Was hätte er wohl gereimt, wenn er unserem heutigen Musikterror ausgesetzt gewesen wäre.

Dass manche Leute, sobald sie die Augen offen haben, das Radio anschalten oder gar die MTV-Musikvideokiste starten, das ist deren Privatsache. Aber sobald man den Fuß vor die Tür setzt, wird man öffentlich von allen Seiten mit Musik beschallt.

Kaufhäuser lassen Musik spielen, weil die einen zum Kaufen animieren soll. Es gibt keine Kneipe mehr, in der man gemütlich sitzen und sich unterhalten kann; man muss gegen die Musik anbrüllen. Ein Lokal sucht man sich heutzutage nicht mehr danach aus, ob die Küche gut ist und das Bier schmeckt, sondern ob die Musik erträglich ist. Selbst auf der Toilette wird man nicht in Ruhe gelassen; Musik soll offensichtlich das Wasserlassen erleichtern.


Geht man im Volkspark spazieren, wird man aus Hunderten von tragbaren Musikgeräten beschallt. Besucht man ein Weinfest, schallt einem aus jedem Stand Musik entgegen. Auf Fahrgastschiffen im romantischen Mittelrheintal schebbert das Lied von der Loreley aus kleinen Lautsprechern (japanische Fassung). Wenn man in der Fußgängerzone im Straßenkaffe sitzt, erscheinen flugs arbeitlose Spitzenmusiker aus Osteuropa mit Hackbrett, Bandoneon, Flöte, Posaune, Balalaika oder ähnlichem Gerät und legen los. Selbst in der Oper hat man keine Ruhe, ständig wird Musik gespielt.

Ganz peinlich wird es, wenn man bei C&A in Unterhosen in der Umkleidekabine steht und dazu ein Knabenchor schmettert: Süßer die Glocken nie klingen.
Auf Erden scheint es wirklich kein musikloses Plätzchen mehr zu geben, da beginnt man doch, sich nach der himmlischen Ruhe zu sehnen. Aber ich fürchte, daraus wird nichts, denn dort treiben ja die Engelchöre ihr Unwesen.