Klatscher

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Die Deutschen, einst stolz auf ihre Musikkultur, sind zu einem Volk von stumpfsinnigen Klatschern degeneriert. Kaum wird irgendwo Musik gemacht, schon findet sich jemand, der anfängt zu klatschen, immer im Marschrhythmus, meist leicht außer Takt: platsch-platsch-platsch-platsch.

Bald klatschen alle mit: platsch-platsch-platsch-platsch. Egal welche Musik gespielt wird, ob Swing oder Blues, ob Hardrock oder Mambo: platsch-platsch-platsch-platsch. Jede Art von Musik wird niedergeklatscht mit platsch-platsch-platsch-platsch. Ich habe sogar schon erlebt, dass eine schöne afrikanische Trommelnummer verunstaltet wurde mit platsch-platsch-platsch-platsch.

Auch in den Kirchen kommt es - wenngleich zaghaft - in Mode, bei Liedern im sogenannten modernen Stil: platsch-platsch-platsch-platsch. Sogar die Wiener Philharmoniker haben im Neujahrskonzert damit zu kämpfen: platsch-platsch-platsch-platsch.

Wer nicht singen kann und sich nicht die Mühe gemacht hat, ein Instrument zu lernen, kann wenigstens platsch-platsch-platsch-platsch. Musik ist doch eben jedermanns Sache, was muss man da schon groß können: platsch-platsch-platsch-platsch.

Zugegeben, bei manchen Interpreten ist es sogar gut, wenn geklatscht wird, weil der Text doof ist oder der Sänger brüllt. Dann schon besser platsch-platsch-platsch-platsch.

Sie meinen, Klatschen bedeute Mitgehen, sich freuen an der Musik? Dann schauen Sie sich die Gesichter doch mal an, unbewegt, stumpfsinnig platsch-platsch-platsch-platsch.

Warum machen sich die auf der Bühne denn soviel Mühe, wenn man doch nichts mehr hört vor lauter platsch-platsch-platsch-platsch. Da hat ein Chor monatelang geprobt, will sein Können zeigen, aber das Publikum will nichts hören, sondern selbst was tun: platsch-platsch-platsch-platsch. Gut, dass ich dies schreiben konnte und nicht singen musste, sonst hätte sich bestimmt jemand gefunden, der mich übertönt hätte mit platsch-platsch-platsch-platsch.

Immerhin haben Tonregisseure im fernsehen mittlerweile erkannt, wie störend diese Klatscherei ist, und blenden bei Musikdarbietungen das Publikum aus.

(c) Matthias Kleis