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Kindertagesstätten im Erneuerungsprozess des Bistums
Im Bistum Mainz gibt es 205 katholische Tageseinrichtungen für Kinder. Fast alle werden von einer Pfarrgemeinde getragen. In 644 Gruppen
werden 15.000 Kinder von 2300 Erzieherinnen begleitet; in Ergänzung zu dem, was in der Familie geschieht, erfahren sie Bildung, Erziehung und Betreuung. Die Zusammenarbeit mit den Familien gehört zur Konzeption der
Einrichtungen.
Diese wenigen Zahlen machen die Dimension deutlich, um die es geht. Für drei Jahre und länger sind die kirchlichen Einrichtungen ein
wichtiger Lebensort für 15.000 Familien: Kinder, Väter, Mütter, Großeltern, Onkel, Tanten... Da zeigt sich auch eine bedeutsame pastorale Chance. Alle diese Menschen stehen über Jahre hinweg in engem Kontakt zur
Kirche durch eine ihrer Einrichtungen. Sie begegnen hier in erster Linie den Erzieherinnen, die hauptamtliche Mitarbeiterinnen der Kirche sind. Sie können aber auch den pastoralen Mitarbeitern und der
Christengemeinde vor Ort begegnen, wenn Chance genutzt wird, die die Kindertagesstätte bietet.
Die Forderung von Prof. Sievernich, dass im Prozess der Bistumserneuerung Wege der Evangelisierung zu suchen seien, "die die Menschen in
ihrer Lebenswelt aufsucht und an ihren Biographien anknüpft", ist in den Kindertageseinrichtungen längst verwirklicht. Durch sie ist die Kirche längst in einem Lebensbereich präsent, der in der diözesanen
Prioritätensetzung durch den Bischof eine wichtige Rolle spielt, nämlich "der Förderung von Ehe und Familie als Kernbereich des Entstehens und der Erziehung von menschlichem Leben."
Bei dieser Überlegung wird aber auch klar, wie notwendig eine deutliche Profilierung der katholischen Kindertagesstätten ist. Katholische
Kindertagesstätten müssen also eine gute Konzeption haben. Gut heißt, dass Kinder hier optimal Bildung, Erziehung und Betreuung erfahren. Gut heißt aber auch, dass katholische Kindertagesstätten sich bewusst als
Lernort des Glaubens profilieren, denn dies ist ihr Spezifikum. Wenn Pfarrgemeinde und Kindertagesstätte gut zusammen arbeiten, können die Familien mit ihren Kindern während ihrer Kindergartenzeit viel über Glauben
und Kirche lernen.
So kann im geklärten Miteinander von pastoralen und pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine gemeinsam verantwortete Seelsorge
zustande kommen, die Verkündigung, Gottesdienst und Diakonie im Blick hat. Voraussetzung ist allerdings das Bewusstsein, dass Kindertagesstätte Pfarrgemeinde ist.
Aber auch Familien anderer Religionen können durch unsere Einrichtung eine gute Erfahrungen mit unserem Glauben und unserer Kirche machen,
was angesichts der verhärteten gesellschaftlichen Fronten nicht zu unterschätzen ist.
Die neue Bistumsstruktur hat für den Bereich der Kindertagesstätten durchaus positive Aspekte. Denn in den Pfarrgruppen und
Pfarreienverbünden bietet sich die Chance eines großräumig angelegten vielfältigen Angebotes. So können die Einrichtungen einer pastoralen Einheit etwa ein gemeinsames Leitbild entwickeln und prinzipiell die
Verbindungen zwischen Kindertagesstätte, Seelsorge und Pfarrgruppe beschreiben. In den Konzeptionen der einzelnen Einrichtungen hingegen dürfen dann unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Auf diese Weise
entsteht innerhalb eines pastoralen Raumes ein differenziertes Angebot für Familien mit dem gemeinsamen Ziel, Menschen mit der befreienden Botschaft Jesu in Berührung zu bringen und mit seiner Gemeinde.
Dem Pfarrer als dem Gemeindeleiter kommt hier eine Primärverantwortung zu. Das bedeutet aber nicht alleinige Verantwortung. Sowohl
Verwaltungsaufgaben als auch pastorale Aufgaben können weitgehend delegiert werden. Auf diese Weise werden die Ressourcen – oder besser die Charismen hauptberuflicher und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter - optimal genutzt. Es entstehen auch in der Seelsorge jene Synergieeffekte, die auf der Verwaltungsebene ohnehin unübersehbar sind.
Bei diesen Überlegungen wird aber auch deutlich, dass die Ausbildung sowohl der Erzieherinnen als auch der pastoralen Dienste neu akzentuiert
werden muss. Kooperative Seelsorge, ziel- und prioritätenorientiertes Arbeiten, Projektmanagement und pastorale Spiritualität fallen nicht vom Himmel. Sie brauchen das solide Fundament beruflicher Kompetenz, das in
der Ausbildung gelegt wird.
So gesehen behalten die pastoralen Richtlinien für katholische Kindertageseinrichtungen nicht nur ihre Gültigkeit in den neuen
Bistumsstrukturen. Vielmehr erfüllen sie bereits die Forderung nach einer missionarischen Pastoral, wenn es in der programmatischen Einführung der Richtlinien heißt:
"Durch das Engagement für die Einrichtung und für Kinder und Familien im Umfeld der Einrichtung nimmt die Kirchengemeinde einen
wichtigen Teil ihres diakonischen Auftrages wahr. Sie gibt damit Zeugnis für die Hoffnung, die Gott dem Leben jedes Menschen von Anfang an zusagt. Die Kindertageseinrichtung bietet Kindern und ihren Angehörigen die
Gelegenheit, Kirche zu erleben. Christliche Diakonie, Verkündigung und die Feier des Glaubens greifen notwendig im gemeinsamen Leben der Gemeinde wie auch in der Kindertageseinrichtung ineinander.
Das Leben in der Kindertageseinrichtung ist damit Teil des gemeindlichen Lebens. So zielt der pastorale Auftrag „damit Gemeinde
lebt...“ darauf, dass im Leben von Kindern und Familien die „Einladung Gottes zum Leben ... ankommt. ... Die Fülle des Lebens soll leibhaftig allen Menschen zuteil werden“."
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